Tutorial: Keilrahmen bespannen – Anleitung in 5 Schritten

Keilrahmen selber aufspannen lohnt sich!

Bis vor kurzem habe ich hauptsächlich aus finanziellen Gründen auf kleinen Formaten gearbeitet. Der Finanzielle Rahmen bestimmt aber nur bedingt die Formate eurer Leinwände!

Nachdem ich die Arbeiten von Neo RauchRuprecht von Kaufmann und Jonas Burgert gesehen habe, dachte ich mir, dass ich mich mal doch an größere Formate wagen sollte. Denn die Galerie-Preise für Bilder werden maßgeblich durch die Größe bestimmt.

In diesem Post wird folgendes behandelt:

  • Warum Keilrahmen selber aufspannen?
  • Welche Materialien werden benötigt?
  • 5 Schritte zum eigenen Keilrahmen

An dieser Stelle kann ich auch ein so oft gehütetes Galerie-Geheimnis preisgeben. Galerien berechnen in der Regel die Preise für Ihre Werke wie folgt: (Höhe + Breite) * Künstlerfaktor. Der Künstlerfaktor ist eine Variable, die sich danach berechnet, wie erfahren der Künstler ist, wie wichtig er für die Galerie ist und wie viel er bereits verkauft hat. Für Anfänger liegt dieser zwischen 5 und 10, bei Künstler wie Gerhard Richter oft sogar im fünfstelligen Bereich.

Damit aber zurück zu unseren Leinwänden. 

„Warum Keilrahmen selber aufspannen?

Guckt man sich die Preis-Listen für bespannte Keilrahmen der bekannten Versandhäuser (BoesnerGaerstecker und Kunstpark) an, wird einem schnell klar wie viel Material in dem Preis steckt. Deshalb folgende Idee: Selbermachen. Denn dann bezahlt ihr andere nicht für die Arbeit und gewinnt zusätzlich mehr Freiheit über Preis, Material und Format. Wenn man einen Keilrahmen selber bespannt muss man natürlich einiges beachten. Zunächst einmal: Was meine ich mit Keilrahmen (und wieso heißt das so)? Ein Keilrahmen besteht in der Regel aus vier Holzleisten die ineinander verkeilt werden. Es ist wichtig, dass sie nur verkeilt werden, denn wenn man sie fest miteinander verklebt, -nagelt oder -schraubt geht eine wichtige Funktion verloren. Das aufspannen der Leinwand. Denn, wenn man den Malgrund, z.B. Leinenstoff, Baumwolle, Hanf oder Jute zu locker aufgespannt hat, kann man im Nachhinein noch mit kleinen Holzkeilen etwas Spannung hinzufügen. Deshalb findet ihr unter „Leinwänden“ oft schon bespannte Keilrahmen, während ihr bei Keilrahmen die Leisten findet.

Material

Einen Keilrahmen selber zu bespannen hört sich erst einmal nach einer Menge Arbeit an, ist es auch, aber nicht so viel wie man zunächst denkt. Die Recherche-Arbeit hab ich nämlich schon gemacht.

Was benötigt man um einen Keilrahmen selber zu bespannen?

Natürlich erst einmal die LeistenDie gibt es bei Gaerstecker am günstigsten. Dort bestellt ihr bei der Basis-Ausführung immer zwei pro Größe und bis 180cm ohne Sperrgut-Aufschlag. Solltet ihr größere bestellen, achtet auch immer darauf, dass ihr ausreichend Mittelstücke mitbestellt, ansonsten lauft ihr Gefahr, dass eure Leinwand sich nicht nur verzieht, sondern schon beim Malen eine ungeheure Instabilität aufweisen. Dort bestellt ihr bei der Basis-Ausführung immer zwei pro Größe und bis 180 cm ohne Sperrgut-Aufschlag. Solltet ihr größere bestellen, achtet auch immer darauf, dass ihr ausreichend Mittelstücke mitbestellt, ansonsten lauft ihr Gefahr, dass eure Leinwand sich nicht nur verzieht, sondern schon beim Malen eine ungeheure Instabilität aufweisen.

Dann benötigt ihr idealerweise noch eine Tackerpistole und die zugehörigen Tackernadeln. Die kosten insgesamt knapp 40€, aber sind ihr Geld wirklich wert. 

Und dann natürlich das richtige Maltuch, also den Stoff auf dem ihr dann malt. Den gibt es grundsätzlich in zwei Ausführungen, grundiert und ungrundiert. Ich empfehle ungrundierte Gewebe, denn die ersparen euch den Kauf einer sogenannten Spannzange. Denn, wenn ihr ungrundierte Gewebe kauft, könnt ihr sie relativ straff per Hand auf die Keilrahmen aufziehen und dann mit der Grundierung eurer Wahl grundieren. Wenn ihr eure Leinwand mit einem handelsüblichen, einfachen Gesso grundiert spannt das euer Maltuch nachträglich. Würdet ihr hier schon ordentlich Spannung aufbauen, kann es euch passieren, dass die zusätzliche Spannung vom Grundieren euren Keilrahmen, oder wahrscheinlicher euer Maltuch, zerreißt. Das wäre nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich.

Eine gute, kurze Video-Anleitung hier. Das Video ist zwar auf Englisch, aber Herrn Corey D’Augustine vom Museum of Modern Art erklärt es dennoch sehr leicht und verständlich. 

5 Schritte zur eigenen Leinwand

1. Keilrahmenleisten auswählen.

Wenn ihr im Geschäft Keilrahmenleisten auswählt prüft ob diese bereits verzogen sind. Diese steckt ihr einfach zusammen und vergesst nicht die Mittelstücke solltet ihr mit größeren Formaten arbeiten.

2. Maltuch auswählen

Wie bereits erwähnt bevorzuge ich rohes Gewebe. Das hat den Vorteil, dass ich es ohne Zange aufspannen kann, weil es beim grundieren zusätzlich an Spannung gewinnt. Eine gute Option ist gerade bei großen Formaten den Baumwollstoff „Arles“, weil es in Übergröße geliefert wird. Baumwolle ist günstiger als Leinen und lässt sich ebenso gut verarbeiten. Es ist mit 290 g/m² relativ dick und lässt sich hervorragend verarbeiten.

3. Das Aufspannen vorbereiten

Die zusammengesteckten Keilrahmenleisten legt ihr nun auf eurem Maltuch aus, um die entsprechenden Stoffstücke zuzuschneiden. Plant je nach dicke der Keilrahmenleisten etwa 5 cm an zusätzlicher Breite ein. Die günstigsten und gängigsten Keilrahmenleisten haben eine Tiefe von knapp 2 cm, sodass ihr mit den 5 cm genug Stoff zum Spannen habt. 

4. Maltuch befestigen

Sobald ihr euer Maltuch zugeschnitten habt, könnt ihr mit dem Aufspannen beginnen. Legt den Keilrahmen mit der Profilseite nach unten, denn die Kante verhindert ein direktes aufmalen auf der Leiste.

Wenn ihr ein rechteckiges Format habt, fangt bei den kurzen Seiten an, weil ihr da die größte Distanz zur gegenüberliegenden Seite habt. Auf der Seite tackert ihr 2 bis 3 Mal von der Mitte ausgehend im 45 Grad Winkel zum Keilrahmen, damit diese besseren Halt haben und das Tuch bei zu großer Spannung aufreißen. Dabei ist es euch überlassen, ob ihr auf der Rückseite der Leisten tackert oder am schmalen Rand. Solltet ihr auf der Rückseite tackern, lasst die Ecken frei, denn die sollen beweglich bleiben. Tackert ihr die zusammen, habt ihr später keine Chance den Rahmen „auszukeilen“, um eine zu lockere Aufspannung auszugleichen. 

Dann geht ihr zur gegenüberliegenden Seite und spannt das Tuch so gut ihr könnt und tackert ebenfalls 2 bis 3Mal. Bei den anderen Seiten geht ihr analog vor. Beginnt in der Mitte und immer im 45 Grad Winkel. Versucht die Nadeln, je nach Größe der Leinwand, mit etwa 3 bis 5 cm Abstand in die Keile zu treiben.

5. Fertigstellen

Zum Schluss schneidet ihr an den Ecken das Maltuch im 45 Grad Winkel ab, um die Ecken besser einzufalten. Hat alles seinen Platz gefunden könnt ihr überstehendes Maltuch abschneiden. Sollte die Leinwand noch zu locker liegen oder Falten haben grundiert zuerst das Maltuch. Die dadurch entstehende Spannung kann so einige Schönheitsfehler ausbügeln. Erst dann würde ich das Auskeilen vornehmen, wobei ich das bei noch keinem meiner Rahmen machen musste.

Nun könnt ihr auf der fertig bespannten Leinwand arbeiten. Mit einem handelsüblichen Gesso (und davon mindestens zwei Schichten) habt ihr eine ideale Grundlage für Öl– und Acrylfarben, sowie für Aquarell und Gouache.

Damit habt ihr es auch schon geschafft! Ihr werdet sehen, es ist sehr viel leichter als es vielleicht auf dem ersten Blick aussieht. Also dann, viel Spaß und frohes Schaffen!

 

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