NFTs, Blockchain und digitale Galerien

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Funktionsweise der Blockchain-Technologie. Das Kunstwerk wird in die Blockchain eingeschrieben, indem es eine digitale Signatur bekommt - ein sogenannten Token. Die Blockchain-Technologie garantiert die Einzigartigkeit des Tokens und damit die Besitzansprüche.

Was hat es mit dem Hype aufsich?

Ende Februar und Anfang bis Mitte März erfasste ein weiterer Hype das Internet. NFTs, Blockchain und Crypto-Art sind in aller Munde. Es gibt Stimmen, die dazu aufrufen, möglichst früh auf den sich beschleunigenden Zug aufzuspringen (Hype-Train). Um mich für diesen Beitrag hab ich auf YouTube nur zwei Videos zu NFT-Art gesehen, und der Algorithmus spülte mir eine ganze Menge noch tagelang auf die Startseite. 

Wiederum andere raten die Finger davon zu lassen, weil der unausweichlich Zug auf eine Wand zu rast. Oder um das Bild des Zugs zu verlassen: Es handele sich bei dem „Crypto-Hype“ eben nur um das. Einen Hype, eine Blase, die wie die Geschichte bereits mehrfach gezeigt hat, schließlich platzen muss. 

Was es mit den NFTs, der Crypto-Art und der Blockchain im Kunst Bereich auf sich hat, klären wir hier.

 

Es wird lang und ausführlich, also haltet durch.

Inhalt

  • Kurze Einführung – „Beeple Mania“
  • Blockchain und das Problem der Einzigartigkeit
  • Wie funktionieren NFTs?
  • Kritik
  • Detail: Umweltverträglichkeit

"Beeple Mania" - der erste Gewinner des Crypto-Kunstmarkts

Am Anfang war Beeple. Ein digitaler Künstler, der als erster Profiteur aus dem Crypto-Kunstmarkt-Hype hervorging. Das Auktionshaus Christie’s versteigerte eine Collage des Künstlers für etwa 42.000 Ether (einer Crypto-Währung, die zur Zeit des Erscheinens dieses Artikels einem Gegenwert von etwa 63 Millionen Euro entspricht). Diese absurd hohe Summe ergibt sich, wie so häufig nicht aus der Qualität des Werkes, sondern aus dem Hype, der sich um die Kunst in Kombination mit der neuen Technologie ergeben hat.

Das der Versteigerung bis zum Schluss 22 Millionen Menschen beiwohnten – so viele Zuschauer hat es noch nie gegeben – spricht dafür.  

 

Mit mehreren Millionen an Gewinn scheint damit etwas in den digitalen Bereich überführt worden zu sein, was sonst nur in der Offline-Kunstwelt gegolten zu haben scheint. 

Die Absurdität, die der Kunst schon immer vorbehalten war. Wie Sinix in seinem Video zu NFT-Kunst wunderbar hervorhebt, schien der Wert digitaler Kunst von ihrer Qualität abzuhängen. In der Welt der Galerien war dies schon länger nicht mehr der entscheidende Faktor, sondern die Bekanntheit des Künstlers bestimmte über die Wert der Bilder.

Mit der Token-basierten Kunst erhält auch die Welt der digitalen Kunst diese willkürliche Komponente. Nun bestimmt nicht mehr die Qualität eines Kunstwerkes dessen Preis, sondern die Seltenheit und wie stark es begehrt wird. Denn wenn die Blockchain zumindest in der Theorie ein „Problem“ löst, dann ist es die Einzigartigkeit von digitalen Werken. Wie funktioniert das?

NFT (non-fungible Token)
- Das Echtheitszertifikat

Eine großartige Neuerung des Internets ist, dass vieles nicht mehr ausschließlich analog zugänglich ist. Der Inhalt von Büchern, Videos oder Alben sind nicht mehr auf ihren physikalischen Raum beschränkt. Wir genießen, dass wir auf YouTube (theoretisch) jederzeit und von (fast) überall unsere Lieblingsvideos sehen können. Unsere Bücher, Musik und Bilder sind in der Cloud gespeichert und können geteilt werden. Eine digitale Kopie im Netz ermöglicht ein nahezu unendliche Vervielfältigung, welches wiederum ein anderes Geschäftsmodell ist, aber hier nicht Thema.

Das besondere ist nun, dass die Blockchain-Technologie ein digitales Echtheitszertifikat erlaubt, ein non-fungible Token. Es ist ein kryptografischer Token, der nicht austauschbar (wie Bitcoins) oder replizierbar ist oder zerstört werden können. Die Tokens stellen entweder selbst die einzigartige Datei, sei es als digitales Gemälde, eine Audiospur, ein Video dar, oder spiegeln das Echtheitszertifikat über den Besitz oder Kauf des jeweiligen Kunstwerkes dar. 

 

Mit den Tokens, so könnte man argumentieren, macht man ein Problem des digitalen rückgängig und zwar das der Einzigartigkeit. Gerade in der Kunst war dies lange ein Problem, beziehungsweise ein maßgeblicher Unterschied. Klassisch produzierte Kunstwerke wie Ölgemälde, Skulpturen oder Zeichnungen lagen einmalig als Unikat vor. Selbst Serien und Editionen waren auf ihren physikalischen Körper beschränkt, während bei informationsbasierten Kunstwerken wie Video, Fotografie oder Musik schon länger die Frage nach dem Original im Raum stand. (Wenn sie denn überhaupt gestellt werden musste..)

 

Digitale Kunstwerke, wie sie vor allem im Gaming-Bereich bspw. Anwendung finden wurden lange ausgeblendet. Künstlerinnen und Künstler finanzierten sich über Drucke, Sponsorings, Mentorenprogramme oder einfach durch Spenden. Dies war der Grund warum Webseiten wie Twitch, Patreon und Gumroad für Kunstschaffende zu essentiellen Begleitern wurden. 

Dass nun digitale Kunst einzigartig werden konnte, wurde durch die Blockchain-Technologie ermöglicht und fand ihren Höhepunkt interessanterweise dort, wo schon immer Unikate zu absurd hohen Preisen gehandelt wurde. Einem der bekanntesten Auktionshäuser Christie’s. 

Wie funktionieren NFTs?

Um zu verstehen, wie genau NFTs funktionieren, muss man sich noch einmal die Funktionsweise der Blockchain-Technologie ins Gedächtnis rufen. Die Blockchain (zu Deutsch etwa Block-Kette) reiht im Grunde Informationspakete wie eine Perlenkette auf. Diese Kette wird durch jede Transaktion, jede Anwendung oder Nutzung durch einen Clienten bestätigt, indem die vorangegangenen Transaktionen authentifiziert werden. Würde eine Änderung bei einer Transaktion vorgenommen werden, würde die Kette abreißen. In der Form ist die Blockchain fälschungssicher und wird fälschungssicherer je länger sie besteht. 

Genau diese Technologie ermöglicht einerseits den Bitcoins einen Wert zuzuschreiben und in weiterer Entwicklung auch die Erstellung von den non-fungible Tokens. Erst durch ihre Einmaligkeit kann ihnen ein Wert zugeschrieben werden, der sich dann als Echtheitszertifikat oder als Werk als konkreter Abschnitt auf der Informationskette (Blockchain) darstellt. Im Vergleich zu Kryptowährung sind die Tokens nicht austauschbar, sie repräsentieren immer einen konkreten Gegenstand. Das macht sie Ideal für den wachsenden Markt (und vielleicht auch das Bedürfnis) nach digitalen Unikaten. 

 

 

Kritik

Wo liegt nun das Problem? 

Zum einen ist es der Hype. Ohne nun die große Kapitalismus-ist-nicht-so-toll-Keule zu schwingen, ist ein Großteil um den NFT-Hpye wirklich nur ein Hype. Der Wert, der den Werken zugesprochen wird, bemisst sich nicht an der Qualität, sondern an der Beliebtheit des Urhebers (und an der Seltenheit des Objektes). Aus einer idealistischen Position heraus, hat dies nichts mehr mit der Kunst zu tun.


Was man zuvor also nur aus der analogen Welt der Galerien und Auktionshäusern kannte, hat nun einen Weg ins digitale Gefunden und wird mit verschiedenen Online-Galerien munter praktiziert. 


Auf der einen Seite wird die durch das Internet erreichte, weitere Demokratisierung der Kunst wieder rückgängig gemacht, in dem der ohnehin schon exklusive Kunstmarkt eine neue aberwitzige Dimension erreicht. Ironischerweise, schafft es auch hier der Kunstmarkt wieder seine Umweltbilanz in kunstvolle Höhen zu befördern und erfolgreich zu verschleiern. Oder zumindest zu ignorieren. 


Und da wird es wirklich zum Problem. Denn dort, wo andere – in diesem Falle zunächst die Umwelt – sollten wir zwei Mal überlegen, ob dies eine Entwicklung ist die wir unterstützen wollen. Um die Blockchain aufrechtzuerhalten bzw. um mit ihr zu operieren sind astronomische Mengen an Energie notwendig. Mitte Dezember wurde auf medium.com ein Artikel veröffentlicht, der einmal den Energieverbrauch greifbar zu machen versuchte. 

Detail: Umweltverträglichkeit

Das Problem eigentliche Problem ist – wie ich finde – nicht die Blase oder der Hype, sondern die Glorifizierung. Wie jede neue Technologie hat auch die Blockchain ihre Schattenseiten. Crypto-Art und Crypto-Galerien scheinen für einige ein echtes Problem zu lösen. 

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